Säkylä

Säkylä, die Gemeinde der Renken, Bläulinge und Heuschrecken


SÄKYLÄ IST eine in Südwestfinnland, im südlichen Satakunta liegende Gemeinde mit ca. 5000 Einwohnem und einer Bodenfläche von 268,61 qkm. Von der Gesamtfläche ist der Landanteil 60 und der Wasseranteil 40 Prozent. Die Gemeinde ist durch zwei Faktoren bekannt geworden: erstens durch den Armeestützpunkt, der im Jahre 1963 auf der Moräne Säkylänharju von Säkylä, Huovinrinne, gegründet wurde, und zweitens durch seine umfassende und erfolgreiche Lebensmittelindustrie. Die grössten Arbeitgeber sind die Poris Brigade,Lännen Tehtaat Oyj (Gemüseverarbeitung), Broilertalo Oy (Geflügelverarbeitung), Säkyläs Gemeinde, Säkyläs Gesundheitszentrum und Sucros Säkylä (Zuckerfabrik).


Säkyläs vielfaltige Natur beinhaltet Eigenschaften, womit die Gemeinde eine Sonderstellung in Finnland einnimmt. Der See Pyhäjärvi, der hauptsächlich zur Gemeinde Säkylä gehört, ist der grösste See in ganz Südwestfinnland. Der Pyhäjärvi ist durch das saubere und klare Wasser sowie durch den grossen Fischbestand berühmt geworden. Dessen natürliche Erhaltung wollen die Bewohner, Gemeinden und Gewerbetreibenden in gemeinsamer Anstrengung schützen. Auf dem Säkylänharju leben wiederum ganz besondere Insektenarten, die sonst nirgendsin Finnland anzutreffen sind.


Zusätzlich zu diesem Tier- und Pflanzenbestand der Moräne gehören weitere seltene und auch als gefährdet klassierte Arten. Es ist kein Wunder, dass fast die Hälfte der Gemeindefläche Säkyläs im europäischen Natura 2000 - Schutzgebietnetz enthalten ist.


ALS FRUCHTBARER FISCHSEE hat der Pyhäjärvi in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Berufsfischer ernährt. Am Ende der 1970er Jahre betrug die grösste Winterfischerei 12 Zugnetzgenossenschaften. In den letzten Jahren waren es noch drei bis vier Genossenschaften und ungefähr zwanzig Berufsfischer. Die jährlich aus dem Pyhäjärvi gehobene Fischausbeute beträgt eine Million Kilogramm, entspricht also einem Fang von 60 kg pro Hektar. Die durchschnittliche Beute der finnischen Seen ist nur 10 kg pro Hektar. Die wichtigsten Fangfische sind die Renke und die kleine Maräne und betragen ca. 40 Prozent des Gesamtfanges des Pyhäjärvi-Sees. Die beliebtesten Fische sind laut Aussage von Hobbyfischem die grossen Bärsche, die geräuchert besonders gut schmecken wie auch die beim Fliegenfischen erbeuteten Hechte.


Auch der besetzte Signalkrebs hat in den letzten Jahren gute Fänge eingebracht. Aus dem Pyhäjärvi stammt der grösste Signalkrebs laut der Rekordfischregister des finnischen Fischerzentralverbandes, dessen Mass 18,7 cm betrug.


DER GRÖSSTE SEE Südwestfinnlands, der Pyhäjärvi, öffnet sich vor den Augen des Betrachters blendend schön und klar. Es ist daher vielleicht schwer zu glauben, dass das Wasser zeitweise mit Blaualgen versetzt sein kann, oder dass dem Pyhäjärvi die grüne Gefahr, die Uberdüngung, drohen würde. Die jahrzehntelang dauemde, zu hohe Nährstoffbelastung hat zu einer fortschreitenden Eutrophierung im See geführt. Ein grosser Teil der Nährstoffe kommt aus dem Einzugsgebiet des Sees, aber auch die Belastung, die durch die Luft mit Staub und Regen niederschlägt, ist bedeutend.


Zudem bildet sich im See eine innere Schadstoffbelastung, wenn sich die auf dem Boden gesammelten Nährstoffe durch die Organismen zerzetzen. Die in der Regionlebenden Menschen sind zum Glück immer bereit gewesen, sich für den Schutz des Pyhäjärvi-Sees einzusetzen und so konnte man genügend Ressourcen für die Schutzmassnahmen zur Verfügung stellen. Im Abflussgebiet undim See sind zahlreiche Wasserschutzmassnahmen verwirklicht worden. Dadurch ist es gelungen, vorläufig die Entwicklung der Eutrophierung zu unterbrechen. Die milden Winter und Überschwemmungen mit hohen Belastungsspitzen erschweren jedoch die Schutzarbeiten.


ALS VOGELSEE ist der Pyhäjärvi ein vielseitiges Zielobjekt. Während eines Jahreszyklus trifft man auf dem See praktisch alle in den finnischen Binnenseen vorkommenden Wasser- und Strandvögel an. Zu den nistenden Vogelarten gehören Spezien aus kargufrigen und klarseichten Gewässern, aber auch anspruchsvolle Raritäten der besten und üppigsten Vogelbuchten. Der Vogelbestand von Pyhäjärvi ist im Umbruch. In den 1990er Jahren wurden der Höckerschwan und die Kanadagans als Neuzuzüger zu den Nistvogelbeständen angesiedelt. Auch der Singschwan hat sich schon in den üppigen Buchten vor Säkylä eingenistet. Die Seeadler kommen ihrerseits im Winter, um nach den vonFischem auf demEis zurückgelassenen Abfallfischen zu trachten. Auf der winterlichen Eisfläche vom Pyhäjärvi wurden sogar 30 Seeadler gezählt. In naher Zukunft könnte sich auch die Seegans, die Brandgans sowie die immer öfter in der Region anzutreffende Mantelinöwe heimisch fühlen. Auch schafft die explosionsartige Population des Kormoranbestandes der Ostsee einen Ausbreitungsdruck auf die Binnenseen.


SÄKYLÄNHARJU (Moräne von Säkylä) gestaltete sich im mächtigen Tumult der Eiszeit. Vor mehr als 8000 Jahren vor unserer Zeitrechnung tauchten die ersten kleinen Inseln aus der Moräne auf. Für die finnischen Verhältnisse ist Säkylänharju eine seltene Naturformation. Deren Hänge sind an vielen Orten aussergewöhnlich steil und die Moräne steigt am höchsten Ort 143 m über den Meeresspiegel. Während den Jahrtausenden war die Moräne eine Wanderroute für Pflanzen, Tiere und auch Menschen. Dort trifft man immer noch solche Pflanzenarten, die sich vor fast 10000 Jahren in den unter dem Meer erschienenen Erdboden verwurzelt haben. In den vergangenen Jahrtausenden und Jahrhunderten wüteten in der Region von Zeit zu Zeit grossflächige Waldbrände, deren Folge immer wieder weite, fast baumlose Heiden und Sandfelder auf der Moräne waren. Der Armeestützpunkt von Poris Brigade zügelte im Jahre 1963 nach Säkylänharju. Seitdem dient ein bedeutender Teil der Moräne als Obungsfeld für die Verteidigungskräfte. Von dem Standpunkt des Naturschutzes aus betrachtet ist dieser Umzug ein grosses Glück, denn die Obungen der Armee verhindern die Bewaldung der Moräne und schaffen dabei offene Gluthänge und Dünenlandschaften, die für dieTier- und Pflanzenarten der Region benötigt werden.


Deutsche Übersetzung: Helena Ruchti-Kovero
(Siian, sinisiiven ja sirkkojen Säkylä
Säkylän kunta 2005
ISBN 952-99490-1-4)